Die Chronik des Weissensees © H. P. Sorger

Mitarbeit am „Projekt Naturpark Weissensee“ als Information für die Landesregierung über Geschichte und Entwicklung des Tourismus am Weissensee.

Von „Fischern“ über „Fremdenzimmer“ zu „Urlaub bei Freunden“ 
v. H.P. Sorger Projektleitung der Umwelt- und Artenschutzgruppe Respect to Wildlife. Weissensee

Aufgrund des Fundes einer Lochaxt am Paterzipf des Weissensees wissen wir, dass sich bereits 3000 v. Christus Menschen für dieses Gebiet interessiert hatten.
Erkennbare Besiedelungsspuren hingegen hinterließen um 400 bis 15 v. Christus Taurisker, Kelten und Noriker. Ab diesem Zeitpunkt haben sich im Weissenseetal Menschen niedergelassen und es wurde reger Handel mit Vieh, Eisen und Holz betrieben. Vor allem mit den damalig benachbarten, seit 150 v. Christus, befreundeten Römern. 15. v. Christus allerdings unterwarf sich das Königreich Norikum freiwillig der römischen Oberherrschaft. Dieser Schachzug brachte auch den frühen Weissenseer Siedlern über beinahe ein halbes Jahrtausend Frieden, Sicherheit, Wohlstand und den Erhalt der eigenständigen Sitten und Traditionen. Erst 476 n. Christus als das römische Reich endgültig zerfiel, begannen triste Zeiten.

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Beförderungsmittel - das Pferd

Durch das Eindringen der West- und Ostgoten, Franken und Langobarden wechselte die Herrschaft über die Provinz Norikum in rascher Folge. 114 Jahre später drangen die Awaren nach Westen vor, vertrieben die Langobarden, konnten sich letztendlich jedoch gegen slowenische und kroatische Volksstämme nicht durchsetzen. Dem slawischen Königreich wurde schließlich Osttirol, Kärnten und die Steiermark untergeordnet und zum karantanischen Reich vereinigt. Ein neuer wirtschaftlich aufbauender Trend begann. Nach 144 Jahren drangen abermals die Awaren ein, jedoch die Slawen ersuchten die Baiern um Hilfe. Die Folge: Karantanien wurde zu einem bairischen Vasallenstaat, das Land wurde germanisiert und 150 Jahre später von Salzburg aus christianisiert. Urkundlich erwähnt findet man Weissensee erst um 1075 - in Zeiten, in denen es der Grafschaft Lurn unterstand - als „die Fischer vom Weissensee“. Im 11.Jh. dürften bereits die bairischen Siedler eine, die beiden Seeufer verbindende, 130 Meter lange Brücke erbaut haben. Urkundlich erwähnte man sie erst 1348.

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KIRCHE - EDELLEUTE - ARBEITERVOLK

Im 15. Jh. übernahm die habsburgische Herrschaft Ortenburg die Regentschaft Oberkärntens. Bereits damals schrieb der Italiener Paulo Santonino, Sekretär des Patriarchen von Aquileja, einen umfassenden Reisebericht über dieses Land und erwähnte den „lacus albus“ (Weissensee), vor allem aber die ungewöhnlich großen, köstlichen Seeforellen, mit „hochlöblichen“ Worten. Santonino setzte sozusagen den ersten wegweisenden Schritt in Richtung Tourismus.

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Enthauptung im Mittelalter

Als die Lehre Martin Luthers immer weiter vordrang, fiel diese besonders im und um das Weissenseegebiet auf ertragreichen Boden. Im abseits gelegenen Tal konnte die gewaltsame Gegenreformation, Anfang des 16. Jhs., nichts ausrichten, denn offenbar vergaß man bis dahin vorzudringen. Als Kaiser Josef der II. 1781 die Religionsfreiheit einführte, bekannten sich 100% der einheimischen Bevölkerung zu Luther. Nach überstandenem Franzosenkrieg und der Wiedereingliederung ins österreichische Kaiserreich wurde 1880 am Weissensee ein k. u. k. Postamt in Betrieb genommen und als 1887 Erzherzog Albrecht das Tal besuchte und sich im Postgasthof laben ließ, öffneten sich Tür und Tor für hinkünftige touristische Geldquellen. Manch Weissenseer Landwirt besserte bereits „anno dazumal“ sein Einkommen durch Vermietung seines Schlafzimmers mit Küchenbenützung auf. 1890 urlaubten bereits 16 Personen, hauptsächlich aus Wien und Graz, den Sommer über im Tal. Professoren, Ärzte, k. u. k. Bäcker und andere Hoflieferanten brachten nach und nach ihre Familien mit Kindermädchen und Köchin zur Sommerfrische und wurden - was zum Teil bis heute erhalten blieb - als „Herrische“ bezeichnet. Der Aufschwung wurde durch den ersten Weltkrieg stark gebremst. Durch die Wirren danach, die slawische Regierung forderte eine Grenzziehung entlang des Tauernkammes, hing das Kärntnerland mit Ungewissheit bezüglich seiner Zugehörigkeit in der Luft. Eine Volksabstimmung brachte etwas Licht ins Dunkel. Aber erst am 10. Oktober 1920 als die interalliierte Kommission in Klagenfurt das Ergebnis verkündete, brauste Jubel durchs Land. Kärnten war frei und ungeteilt.

Nach halbwegs gut überstandenem Zweiten Weltkrieg spekulierte man, das letzte im Osten gelegene fjordähnliche Drittel des Weissensees mit einer Staumauer zu versehen. Dadurch wäre im ausbaufähigem Teil des Tales der stets gleiche Wasserspiegel gesichert und gleichzeitig könnte das Nass des Ostbereiches für Energiegewinnung (Elektrizität) genutzt werden. Ein touristisch destruktiver Plangedanke, zu dessen Umsetzung es glücklicherweise nicht kam. Ebenso der Bau einer Landstraße, erst über das Hermagorer Bodenalmtal und dann direkt entlang den Südhängen des Sees Richtung Stockenboi, wurde von den Landesvätern erwogen jedoch erfreulicherweise von den Weissenseer Bürgern 1976 strikt abgelehnt. Der See selbst war einst dreigeteilt: Die Hermagorer Nachbarschaft und das Salzburger- sowie das Millstätter Bistum profitierten vom Fischfang.

Infolge fiel das Grundstück See dem Land Kärnten zu, während die fischereirechtliche Nutzung den Weissenseer Grundbesitzern verblieb. Diesbezüglich setzte die Agrargemeinschaft des Tales einen wirtschaftlich klugen Akzent: Die großflächige und kontinuierliche Befischung mit Netzen wurde eingestellt und die gesamte Seefläche den angelsportlich interessierten Gästen zu Verfügung gestellt. Mit den Einnahmen war der Besatz gesichert. Eine Forellenzuchtanlage wurde errichtet, endogene Forellenrogner und -milchner zwecks Nachzucht abgestreift, die Brütlinge mühsam aufgezogen und zurück in den See gesetzt. In den 60er, 70er und 80er Jahren folgte Schlag auf Schlag. 1967 Fahrverbot für private Motorboote zwecks Gewässerschonung. Die Weissenseebergbahn wurde fertig gestellt. 68 Eröffnung der neuen Seebrücke. 1969 Inbetriebnahme von Schleppliften der WBB Seewiese, Naggler Wiese und Naggler Alm. Das Nordufer wurde 1974 kanalisiert. 1975 baute man die Landesstraße bis zur Techendorf-Brücke neu. Dem folgte 1978 die Errichtung eines Sport- und Kinderspielplatzes und 2 Jahre später war ein neues Postamt in Gatschach installiert. Das neue Feuerwehrrüsthaus wurde 1979 errichtet. Straßenbeleuchtungen, neue Gehwege, eine Wasserversorgungsanlage und schließlich der Bau des neuen Amtsgebäudes in Techendorf mit Gemeinde und Verkehrsamt, Gendarmerie und Bücherei wurden 1984/85 fertiggestellt und als Draufgabe 1991 die Errichtung des neuen Volksschulgebäudes und vieles mehr.

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Das alte Schulhaus bis 1991

Abgesehen von privaten, auf den Gästebetrieb ausgerichteten Investitionen, präsentierte sich das Tal in fortschrittlichem Licht.
In wenigen Jahren mauserte es sich zu einem touristischen Kleinod! Schon allein wegen der Abgeschiedenheit, des sich prachtvoll anbietenden Umfeldes und der untereinander „disziplinierten“ Preis-Wert-Gestaltung, konnte ein niveauvolles Gäste-Klientel bis Mitte der 90er Jahre gehalten werden. Die rapide Bettenanzahlerhöhung, eine Reihe von Neubauten und der daraus resultierenden strukturellen Veränderungen veränderte auch das Gesamtbild, infolge aber auch die „Gästestruktur“. Zum Herrn Kardinal, dem Hofrat und Doktor gesellten sich „einfachere Familien“ da es von Letzteren mehr als von Ersteren gibt. Die ehemals 2 einhalb Monate dauernde Sommerfrische beschränkt sich nun mehr auf 7 Tage bis höchstens 4 Wochen. Ansprüche haben sich bereits und werden sich in Zukunft in einer noch moderateren Preisgestaltung niederschlagen. 1995 gewann der Weissensee neben 269 Bewerbern aus 17 Staaten Europas den 2. Preis für Umwelt und Tourismus. Bewertet wurden die Bemühungen der Gemeinde um einen vernetzten, ökologisch vertretbaren Tourismus zur Sicherung der eigenen Identität und der Wirtschaftskultur in einem touristischen Gebiet als vorbildlich und zukunftsweisend. Das wertet auf, verlangt jedoch für die Zukunft mehr Verantwortung für „vertretbaren Tourismus“ und der „Sicherung der eigenen Identität“. Zitat entnommen von den „Weg - weisenden Säulen“ auf der Naggler Alm: „Die erworbene Auszeichnung ist uns Ehre und Auftrag zugleich. Gemeinsam mit der heimischen Bevölkerung und unseren Gästen wollen wir unsere einzigartige Natur, die Schönheit der Landschaft und das klare Wasser des Sees als „Spielplatz der Natur“ auch künftigen Generationen erhalten. Möge die Achtung vor den Wundern dieser Landschaft auch in Zukunft unser Handeln bestimmen. Damit uns dieser Auftrag stets deutlich vor Augen bleibt, errichtete die Gemeinde Weissensee an dieser Stelle einen weithin sichtbaren Wegweiser für Morgen.“
Exzessiver Forststraßenausbau, Eliminierung von Uferbewuchs (Bruchwaldstrukturen) entlang des Märchenweges am See, Beseitigung von Hecken, deponieren von Unrat im Wald, die Zuschüttung von Feuchtflächen und der intensive Bootshüttenbau usw. stehen im krassen Widerspruch zu obigem Zitat. Immer deutlicher macht sich heute schon der Verlust von einst herausragendem faun- und floristischem Bestand bemerkbar und der Identitätsverlust ist bereits sehr deutlich in der Sprache hörbar! Die Einhaltung von Gesetzen, den Landschaftsschutz betreffend, ist mehr gefordert denn je. Der See, die Landschaft und die noch erhaltenen bäuerlichen Strukturen sind das Kapital, von dem der Tourismus in diesem Tal und damit die Bevölkerung lebt. Damit sollte mit Samthandschuhen umgegangen werden, denn wenn die umworbene Zielgruppe den Weg hier her nicht mehr erstrebenswert findet, was dann?

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